Montag, 30. Januar 2012

Wir wissen alles!

Der Zufall entschied, dass wir in einem Land leben dürfen, indem jeder Person jede beliebige Information zugänglich ist. Neben westlichem Wohlstand unterscheidet uns dass wohl am meisten zu Menschen in den Entwicklungsländern. Wir können uns frei nach Belieben, Wissen aneignen. Wir wissen z.B., dass wir - um vor der Kälte geschützt zu sein, uns etwas zum Anziehen kaufen sollten, Bangladesch der größte Produzent von Kleidungsstücken ist und auch, dass es dort massive Probleme mit Produktionsstandards gibt. Aber nicht nur in diesem Bereich reißen uns traurige Bilder aus der Bequemlichkeit. Wöchentlich werden wir über neue Abgründe aus den Produktionsketten all unserer Lebensmittel informiert. Da bleibt schlussendlich nur die Frage, was fangen wir damit an?
Die Regeln des Marktes lassen sich recht knapp zusammenfassen. "Die Nachfrage bestimmt das Angebot." Wir sind demnach verantwortlich für die Art und Weise, wie Güter produziert werden. Als letztes Glied in der Produktionskette bestimmen wir an der Kasse, welches Produkt - und damit - welche Produktionsweise wir unterstützen.
Aber warum interessieren uns die Produktionsbedingungen nicht mehr, sobald es um unser eigenes Geld geht? Klar, jeder muss versuchen sein Geld bestmöglichst einzuteilen. Aber nimmt es nicht schon chauvinistische Züge an, wenn man - nur um sich modisch zu kleiden - bei LIDL, KIK oder ALDI [1] ein billiges Kleidungsstueck kauft, währrend die Näherrinnen mit nichts als ihrem Monatslohn für sich und ihre Familie ums nackte Ueberleben kämpfen?
Nach dem bekannten Prinzip der Nachfrage nützt es also gar nichts, die Verantwortung an grosse Konzerne, wie z.B. H&M abzuschieben, denn solange wir - damit ist jeder einzelne gemeint - nicht dagegen aufschreien, wird sich ein Konzern davor hüten, Aufwand ( = Geld, in kapitalistischer Wertevorstellung) in die ethisch korrekte Produktion zu investieren. Solange sollten wir immer im Hinterkopf behalten, dass auch bei der Herstellung von H&M-Kleidung Menschen mit Billigstlöhnen abgespeist werden, dass niemals ausreicht um eine Familie zu ernähren, weshalb es kaum verwunderlich ist, dass dieses System auch nicht vor der Ausbeutung von Kinder (auch H&M [2]) halt macht.

Aber zum Glück wissen wir alles!

[1]: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8853330
[2]: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9336646

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